• Florin Schmidig
  • 15. Februar 2016

Nahtlos Natellos

Nahtlos Natellos?

Wie an jeder Redteam-Sitzung werden jeweils für die kommenden Zooms Themen besprochen und einander zugeteilt. Verpasst man eine Sitzung, so muss man sicher einen Bericht über etwas schreiben, was man lieber jemand anderem gegeben hätte. Nichts­des­to­trotz hatte ich mich damit abgefunden, dass man mir das Thema Natellos zuteilte.

Doch was kann man darüber schreiben? Soll ich mich nur darüber im Internet schlau machen oder jetzt mein Natel für eine Woche nicht brauchen? Da gab mir ein weiser Mann den Ratschlag, ein Experiment daraus zu machen. Ich könnte doch jemandem das Natel wegnehmen und darüber einen Bericht schreiben, wie er sich verhält. Mir gefiel dieser Gedanke wesentlich besser, als das eigene Natel nicht zu gebrauchen. Doch da ich im Moment nicht die Zeit hatte, diesen Text zu schreiben, legte ich das alles zur Seite, als hätte ich geahnt, dass ich mich nicht mal über das Thema im Internet schlau machen muss.

Wenige Wochen später fand ein Landjugend-Anlass statt, der zu meinen Lieblingsabenden gehört. Go-Kart-Fahren in Roggwil BE. Das Duell um den schnellsten Fahrer. Wer gewinnt, kann wieder eine Weile damit angeben. Als ich aber nach der ersten Runde mein Handy hervor holte, um den Kollegen die neuen farbigen Whats-App-Daumenhochs zu zeigen, hatte mein Natel nicht die übliche Anschauweise wie gewohnt. Es war leicht gebogen und dazu noch verdreht. Obwohl ich das Spider-App nicht mal runtergeladen hatte, befand sich ein solches Muster auf dem Bildschirm. Trotz zuerst gefühlsamen Zurechtbiegen und Ausprobieren aller Tasten, machte mein treuer und immer für mich dagewesener Begleiter keinen Wank mehr. Ich dachte wehmütig an die gemeinsamen Erlebnisse zurück. An die erste Begegnung nach dem Öffnen der Schachtel, die erste Monatsrechnung oder das Schlagen auf die Tischkante, wenn es nicht funktionierte.

An den kommenden Tagen merkte ich erst richtig, wie oft ich mein Natel gebrauchte. Wollte man einen Termin vereinbaren oder etwas organisieren, konnte man nicht einfach in den Kalender schauen oder rasch aufs E-Mail zugreifen. Ich musste immer jemanden fragen, um ein Telefonat zu machen. Z.B. um bei einem Kollegen nachzufragen, was für Termine noch alles abgemacht sind.

In diesem moralischen Tiefpunkt zerbrach mir den Kopf darüber, warum das ausgerechnet mir passierte. Nach längerer Zeit kam ich zum Schluss, dass das alles vielleicht so kommen musste. Vielleicht war es vorbestimmt, dass ich über dieses Thema schreiben und dass mir das Natel ausgerechnet an einem Landjugendanlass kaputt gehen musste. Wer weiss, ob dies der Anfang einer Kette von Reaktionen auslöst, dass mir die Dinge passieren, über die ich schreiben muss.

Ich hoffe, ich muss für das nächste Zoom keinen Bericht über Ausweisentzug oder Haarausfall auf dem Kopf schreiben…