• Judith Husistein
  • 17. März 2008

Bärenstarke DV

Die Schweizerische Landjugendvereinigung verbrachte ein bärenstarkes Wochenende mit vielen Höhepunkten in Waldstatt. Das OK, bestehend aus je drei Mitgliedern der Landjugendgruppen Appenzell und Säntis, hat unter der Leitung von Martin Mock Unglaubliches geleistet. Ihm und allen etwa 90 Helfenden ein grosses Kompliment und herzlichen Dank!

Informativ, besinnlich, gemütlich

Normalerweise sind Delegiertenversammlungen eher kopflastig und beschränken sich auf einige Stunden- anders bei der Schweizerischen Landjugendvereinigung. Bereits am Samstagmittag trafen gegen 130 Landjügeler mit Sack und Pack in Waldstatt ein. Wiedersehensfreude überall- Freundschaften scheinen quer durch die Schweiz zu bestehen. Namensschilder wurden verteilt, Unterkünfte bezogen und schon wurde losmarschiert zu zwei Betriebsbesichtigungen, die gegensätzlicher kaum sein konnten.

Die Arcolor, ein Betrieb, der Farben für Möbel- und Bodendecor herstellt, hat innerhalb der letzten 11 Jahre von fünf auf 54 Mitarbeitende aufgestockt, eine grosszügige, hochmoderne Fabrik gebaut und die weltweite Führung in ihrem Sektor erreicht. Ebenfalls erfolgreich, aber doch viel heimeliger ist die Sattlerei Mock. Anfangs nur als Nebenbeschäftigung zum eigenen Gebrauch gedacht, hat sich Jakob Mock mit seinen schönen beschlagenen Hosenträgern, Schellenriemen, Rollenträgern und vielem mehr einen guten Namen geschaffen. Inzwischen ist der ehemalige Stall zur Werkstatt geworden und sowohl seine Frau als auch die Kinder helfen je nach Begabung mit. Extra für den Landjugendbesuch war auch Adelbert Fässler aus Appenzell anwesend und beeindruckte mit dem Ziselieren von Messingfiguren. Obwohl die Landjugend politisch und konfessionell neutral ist, gehört zur DV der Landjugend stets auch eine Besinnung. Diesmal gestalteten Pfarrer Stäubli und Pater Francesco in der Waldstätter Kirche gemeinsam einen fröhlichen, und doch tiefsinnigen, jungendgerechten Gottesdienst. Gesanglich wurde die Feier umrahmt vom Landjugendchörli Säntis. Roman Brülisauer am Hackbrett und Marianne Anderegg an der Orgel begeisterten mit traditionellen und modernen Melodien. Einen besonders feierlichen Schlusspunkt setzte der Betruf.

Der Samstagabend war der Gemütlichkeit unter dem Moto „Bärenstarke Party“ gewidmet. Etwa 1400 junge und ältere Gäste vergnügten sich in Saal, Kaffeestube und Bar. Die Stimmung bei Musik und Tanz blieb bis gegen Morgen ausgelassen, jedoch ohne zu überborden.

Reichbefrachtete Traktandenliste

Trotz kurzer Nacht genossen die meisten schon beizeiten das Frühstück und bereits um 8.30 Uhr begann die Delegiertenversammlung im vollbesetzten Saal. Der Vorstand lud gleich zu Beginn alle Anwesenden zu einer «Laurenzia» ein, so wurden auch Nachtschwärmer noch ganz wach. Speditiv, mit erstaunlicher Ruhe und viel Geschick leitete Nina Gysel, die 24-jährige, in Wilchingen aufgewachsene Gärtnerin die Versammlung, welche immer wieder durch Bilder und humorvolle Sketches der sechs selbständig arbeitenden Arbeitsgruppen, sowie verschiedenen OK’s aufgelockert wurde. Der lebhafte Jahresbericht ermöglichte es auch den älteren Gästen, wenigstens gedanklich an verschiedenen Anlässen des vergangenen Vereinsjahres teilzunehmen und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Einheitslogo?

Mit grosser Spannung erwarteten die Vereinsmitglieder den Programmpunkt «Einheitslogo». Der Vorstand der SLJV hat sich zum Ziel gesetzt, mit einem gemeinsamen Erscheinungsbild der 73 Gruppen in 20 Kantonen den Zusammenhalt zu stärken, den Wiedererkennungseffekt zu fördern und gemeinsame Werbekonzepte zu ermöglichen. Die obligatorische Einführung des Einheitslogos für alle, scheiterte jedoch an der nötigen Statutenänderung. Auf Antrag eines Mitgliedes wurde trotzdem über drei Logovorschläge abgestimmt, wobei ein moderner, grafisch sehr einfacher Schriftzug siegte. Dieses Logo wird künftig vom Sekretariat, dem Vorstand und den Arbeitsgruppen verwendet, den Regionalgruppen steht es frei, weiterhin ihr bisheriges Logo zu verwenden, wobei der begeisterte Applaus der Befürworter auf eine baldige Verbreitung der Neuerung schliessen lässt.

Neue Gesichter im Vorstand

Mehrere Wechsel gab es im Vorstand der SLJV, was bei einem Verein mit so jungen Mitgliedern nicht ungewöhnlich ist. Daniel Bracher aus Trachselwald BE, Patrick Imper aus Engelburg SG und die in Bühler AR aufgewachsene Regula Graf haben ihren Austritt aus dem Vorstand- aber natürlich nicht aus dem Verein- erklärt. Ebenfalls einen Wechsel gab es im Präsidium, auch Nina Gysel hat ihr Amt abgegeben und ist aus dem Vorstand ausgetreten. Kaum zu glauben, mit welchem Aufwand die scheidenden Mitglieder verabschiedet wurden. Und nicht erstaunlich, dass es Tränen gab, ob so viel Wärme und Herzlichkeit. Mit der Wahl von Rita Diener, Kulmerau LU, Erika Diethelm, Reichenburg SZ Jonas Moser, Gonten AI und Daniela Rolli, Niedermuhlern BE ist der Vorstand wieder komplett. Neue Präsidentin ist Luzia Föhn. Die 20-jährige Malerin ist in Muotathal aufgewachsen und wohnt heute in Alpnach OW. Seit etwa fünf Jahren ist sie aktives und begeistertes Mitglied der Landjugendgruppe Muotathal- Illgau und nimmt wenn immer möglich auch an regionalen und schweizerischen Anlässen teil.

Ein Baum für Waldstatt

In ihrer Begrüssung hatte Nina Gysel die Landjugendvereinigung mit einem Baum verglichen und dessen Blätter mit den über 3500 Landjugend- Mitgliedern. Wenn die alten Blätter abfallen, das heisst, jemand den Verein altershalber verlässt, kommen neue Blätter in Form von jungen Mitgliedern mit frischen Ideen. Doch auch nach dem Austritt bleibt etwas von den Wurzeln als schöne Erinnerung, davon ist die Präsidentin überzeugt. Ebenfalls eine schöne Erinnerung an diese DV durfte der Waldstätter Gemeindepräsident Hans- Peter Ramsauer entgegennehmen. Es ist Tradition, dass jede Gastgebergemeinde mit einem Baum beschenkt wird. Seit dem Wochenende steht vor dem renovierten Mehrzweckgebäude in Waldstatt ein Spitzahorn, welcher stets an diesen Grossanlass erinnern wird. Hans-Peter Ramsauer wünschte der Landjugend weiterhin viel Geschick und das Glück der Mutigen.

Wer dieses Wochenende miterleben durfte, kann sich diesen Wünschen nur anschliessen. Mitzuerleben, wieviel Lebensfreude und Begeisterungsfähigkeit, welche Einsatzbereitschaft und Gewissenhaftigkeit, einfach was für ein Potential in unserer Jugend steckt, war etwas vom Beeindruckendsten überhaupt. Und wer immer noch glaubt, Landjugend sei gleichbedeutend mit rückständig, konservativ und langweilig, besucht am Besten eine der vielen Veranstaltungen in der ganzen Schweiz!

OK- Präsident Martin Mock

Während vier Jahren, bis Dezember 2007, war der gelernte Polymechaniker und heutige Lokomotivführer Martin Mock Präsident der LJ Säntis. Als OK- Präsident der DV 2008 hat der 24-jährige Waldstätter zusammen mit seinem Team seit etwa einem Jahr auf diesen Schweizerischen Grossanlass hingearbeitet. Es brauchte 320 Schlafplätze, drei Mal Verpflegung für bis zu 420 Personen, ein ansprechendes Programm am Samstagnachmittag sowie eine «Bärenstarke Party» mit Musik, Kaffeestube und Bar am Samstagabend. Die gute Infrastruktur und die positive Haltung der Gemeinde Waldstatt sowie die ausgezeichnete Zusammenarbeit der Landjugendgruppen Säntis und Appenzell sorgten dafür, dass sich jedes Problem lösen liess. Mit berechtigtem Stolz können sich Martin Mock und die etwa 90 Helfenden über diesen rundum erfolgreichen Grossanlass freuen.